Stensen-Kreis-Rostock, 11. Juni 2026, 19.30 Uhr
Ort: Gemeindezentrum der Christuskirche, Häktweg 4-6, 18057 Rostock
Referent: Rudolf Hubert, Schwerin
Im Werk des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski (1821-1881) gibt es einen Text, der unsere Zeit eindrucksvoll charakterisiert. Es ist ein Text, der im 19. Jahrhundert entstand, die Größe und Grenzen des Menschen so beschreibt, dass man meinen könnte, Dostojewski lebte heute hier bei uns.
Es ist die Legende vom Großinquisitor aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“: Im mittelalterlichen Spanien, in dem die Inquisition grausam herrscht, erscheint noch einmal Jesus auf Erden. Er spricht kein einziges Wort und wird doch von den Menschen erkannt. Er heilt, er wirkt Wunder. Das geht eine Weile gut, solange, bis er verhaftet wird. Der Großinquisitor, ein alter Mann, klagt Jesus an. Er habe durch sein neuerliches Erscheinen die Ordnung auf dieser Erde gestört. Er beschuldigt Jesus, dass er den Menschen ihre Illusionen von Glück, Freizeit und Freiheit geraubt habe. Die Menschen seien glücklich gewesen. Er aber störe mit seiner Rede von Freiheit und Menschlichkeit. Dabei wisse er doch, wie die Menschen sind. Sie wollen geführt, gelenkt und geleitet werden, denn der Mensch sei mit seiner Freiheit absolut überfordert.
Was wäre, wenn …? Sind wir lernfähig, resilient oder doch nur „Herdentiere“ angesichts der Herausforderungen der Gegenwart? Ist Freiheit nur eine ‚Chimäre‘, eine unrealistische Vorstellung und Einbildung? Oder macht diese Zu-mutung unser Wesen aus und verbürgt unsere Würde?
Der Referent: Rudolf Hubert, Sozialarbeiter i. R., Publizist u.a. „Im Geheimnis leben“ Echter 2013; „Wo alle Sterne verlöschen“, Echter 2018











